Bei großen Biogasmengen oder H₂S-Konzentrationen, die einen wirtschaftlichen Betrieb mit Aktivkohle erschweren, kann ein externer Gaswäscher sinnvoll sein. Anstelle eines Verbrauchsmediums in einem kleinen Behälter überträgt ein solches System H₂S kontinuierlich vom Gas in eine Flüssigkeit; die Waschflüssigkeit wird anschließend behandelt oder regeneriert.
Biologische Gaswäscher
Das THIOPAQ-Verfahren von Paques verbindet die Absorption von H₂S mit der biologischen Regeneration einer alkalischen Lösung und der Bildung elementaren Schwefels. Nach Herstellerangaben wird es bei Biogas- und Biomethananwendungen eingesetzt und kann einen breiten Bereich von H₂S-Belastungen am Eingang verarbeiten.
Biogasclean und das Moving-Bed-Verfahren
Der BMR von Biogasclean nutzt einen biologischen Reaktor mit beweglichem Trägermaterial. Nach Verdichtung, Kühlung und kontrollierter Luftzugabe wird das Gas über Diffusoren eingeleitet; H₂S wird biologisch zu elementarem Schwefel oxidiert. Solche Systeme sind bei großen Gasvolumenströmen und erheblicher Schwefelbelastung von Interesse.
Chemische Gaswäsche
Chemische Gaswäscher verwenden eine Waschflüssigkeit, die H₂S durch chemische Reaktion bindet. Je nach Chemie wird das Medium regeneriert oder das Reagenz verbraucht. Ein Vorteil ist die schnelle Reaktion auf Belastungsschwankungen; Nachteile können Chemikalienverbrauch, ein zusätzlicher Abfallstrom und der Bedarf an korrosionsbeständigen Anlagenteilen sein.
Worauf kommt es bei der Auswahl an?
- Nm³/h Rohgas und Schwankungsbereich des Volumenstroms
- mittlere und maximale H₂S-Konzentration
- angestrebte H₂S-Konzentration am Ausgang
- Verfügbarkeit von Luft, Sauerstoff, Chemikalien und Wasser
- entstehenden Schwefel und dessen Vermarktung oder Entsorgung
- Strombedarf und erforderlichen Druck
- Bedarf an Redundanz oder Bypass
Gaswäscher und Feinreinigung
Häufig übernimmt der Gaswäscher den größten Teil der Schwefelentfernung, während ein kleinerer Aktivkohlefilter die Feinreinigung leistet. So muss die Kohle seltener gewechselt werden, und eine niedrige, stabile H₂S-Konzentration am Ausgang bleibt erreichbar.
Quellen und weiterführende Literatur
- Paques – THIOPAQ biogas desulfurization
- Paques – Gas desulfurization
- Biogasclean – Biological Moving Bed Reactor
Der Beitrag dient der Information. Die endgültige Auslegung der Gasbehandlung muss auf einer Analyse der tatsächlichen Gaszusammensetzung, den Anforderungen des späteren Abnehmers, den Sicherheitsvorgaben und den Angaben der Anlagenhersteller beruhen. Die Illustration zeigt das Funktionsprinzip, keine Ausführungsplanung.
