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Biomethan · FACHARTIKEL

Einspeisung von Biomethan in das öffentliche Gasnetz

Das öffentliche Gasnetz erschließt Biomethan einen großen Markt jenseits des Erzeugungsorts. Der Anschluss ist jedoch mehr als eine Rohrleitung: Er ist ein kontrollierter Übergabepunkt für Gasqualität, Druck, Sicherheit und Energieabrechnung.

Trocknung, Analyse, Verdichtung und Messung von Biomethan vor dem Anschluss an das öffentliche Gasnetz
Funktionsfolge der Anlagenteile zwischen Biomethanerzeugung und öffentlichem Gasnetz.

Die Biogasaufbereitung entfernt einen Großteil des Kohlendioxids und der Verunreinigungen. Zu einspeisefähigem Gas wird Biomethan jedoch erst, wenn es die Vorgaben des jeweiligen Netzbetreibers erfüllt. Diese Anforderungen unterscheiden sich nach Land und Netz. Deshalb ist das technische Konzept vor der endgültigen Wahl des Aufbereitungsverfahrens mit dem Betreiber abzustimmen.

Gasqualität ist mehr als der Methangehalt

Der Betreiber prüft in der Regel Brennwert oder Wobbe-Index, Feuchtigkeit und Taupunkte, Sauerstoff, Kohlendioxid, Schwefelverbindungen und weitere Bestandteile, die Sicherheit, Korrosion oder den Betrieb der Gasgeräte beeinflussen können. Grenzwerte und Probenahme müssen vertraglich eindeutig festgelegt sein.

Die Zusammensetzung des Rohbiogases ändert sich mit der Fermenterbeschickung und dem Betrieb. Die abschließende Aufbereitung muss die Spezifikation deshalb auch bei realistischen Schwankungen einhalten können, nicht nur am Nennbetriebspunkt.

Kontinuierliche Analyse und automatische Ableitung ungeeigneten Gases

Vor der Übergabe überwacht ein Analysator die wichtigsten Parameter. Liegt das Gas außerhalb der zulässigen Grenzen, leiten Ventile es automatisch zurück in den Prozess, in einen Speicher oder zu einer Fackel. Gas außerhalb der Spezifikation darf nicht weiter in das öffentliche Netz eingespeist werden.

Druck und verfügbare Netzkapazität

Ein Verdichter erhöht den Biomethandruck über den Druck am Anschlusspunkt. Die erforderliche Leistung hängt von Eingangsdruck, Zieldruck und Volumenstrom ab. Ein geeigneter Verdichter allein garantiert aber noch keine Einspeisung: Das lokale Netz muss die Gasmenge ganzjährig aufnehmen können, auch bei geringem Verbrauch.

Ohne Rückspeisung in eine höhere Netzebene kann der geringe Sommerverbrauch in einem kleinen Verteilgebiet das Projekt begrenzen. Deshalb sind vor der Investition Messungen und eine Kapazitätsanalyse erforderlich. Es genügt nicht, dass eine Gasleitung am Grundstück vorbeiführt.

Mengen- und Energiemessung

Die Abrechnung richtet sich nicht allein nach dem Volumen. Die Messanlage erfasst Durchfluss, Druck und Temperatur; aus der Gaszusammensetzung ergibt sich der Energiegehalt. Die Messgeräte müssen die geltenden eichrechtlichen Anforderungen erfüllen, für Prüfungen zugänglich sein und einen zuverlässigen Datenaustausch mit dem Netzbetreiber ermöglichen.

Odorierung, Rückströmung und Sicherheit

Je nach Übergabestelle wird Biomethan vor der Einspeisung in das Verteilnetz oder im System des Netzbetreibers odoriert. Die Anschlussstation umfasst Absperr- und Rückschlagventile, Überdruckschutz, Gasdetektion, Lüftung und eine sichere Ableitung. Die Verantwortungsgrenze zwischen Erzeuger und Netzbetreiber muss genau definiert werden.

Herkunftsnachweise und physischer Gasfluss sind nicht dasselbe

Nach der Einspeisung in ein verbundenes Gasnetz mischen sich die einzelnen Biomethanmoleküle mit dem übrigen Gas. Der Marktwert der erneuerbaren Herkunft wird über Zertifizierung und Mengenbilanzierung nachgewiesen. Ein Projekt muss deshalb auch die Nachhaltigkeit der Einsatzstoffe, die Treibhausgasbilanz und Regeln gegen Doppelzählung berücksichtigen.

Was ist vor der Bestellung der Ausrüstung zu vereinbaren?

  • genaue Gasspezifikation und Stelle der amtlichen Messung
  • zulässiger Volumenstrom und Druck über das gesamte Jahr
  • Eigentum, Wartung und Eichung der Anschlussstation
  • Umgang mit Gas außerhalb der Spezifikation
  • Datenaustausch, vertragliche Abrechnung und Nachhaltigkeitsnachweise
KernaussageEin erfolgreicher Anschluss beginnt mit Gesprächen mit dem Netzbetreiber vor Abschluss der Planung. Besonders teuer wird es, wenn die Aufbereitungsanlage gutes Gas liefert, das Netz, das Messkonzept oder der Vertrag den tatsächlichen Volumenstrom aber nicht aufnehmen kann.

Quellen und weiterführende Literatur

Dieser Artikel dient der Information und nennt keine allgemein gültigen Grenzwerte. Die technischen, vertraglichen, messtechnischen und regulatorischen Anforderungen müssen der zuständige Netzbetreiber und Fachplaner für den konkreten Standort bestätigen. Die Illustration ist kein Ausführungsschema.