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BHKW-ABWÄRME · FACHBEITRAG

Wärmenetze – Orte und Gebäude mit BHKW-Wärme versorgen

Liegt in der Nähe einer Biogasanlage ein verlässlicher Abnehmer, kann eine Wärmeleitung überschüssige BHKW-Wärme auf direktem Weg nutzbar machen. Die Technik ist bekannt. Für die Wirtschaftlichkeit sind jedoch vor allem Entfernung und tatsächlicher Jahresverbrauch entscheidend.

Isometrische Illustration einer Biogas-BHKW-Anlage, die über eine Wärmeleitung mit Wohnhäusern und einem größeren öffentlichen Gebäude verbunden ist
Ein lokales Wärmenetz liefert nutzbare BHKW-Wärme an mehrere Abnehmer in der Umgebung der Anlage.

Über einen Plattenwärmetauscher oder einen anderen geeigneten Wärmetauscher lässt sich BHKW-Wärme in einen separaten Wärmenetzkreislauf übertragen. Am anderen Ende bezieht der Abnehmer Warmwasser für Raumheizung, Brauchwasser oder eigene Prozesse. Die Biogasanlage bleibt hydraulisch und betrieblich vom Wärmeabnehmer getrennt.

Entscheidend ist das Verbrauchsprofil, nicht zuerst der Rohrdurchmesser

Ein Wohngebiet braucht im Winter viel Heizwärme und im Sommer wenig. Krankenhaus, Pflegeheim, Hotel, Schwimmbad oder Lebensmittelbetrieb können einen deutlich gleichmäßigeren Jahresbedarf haben. Deshalb zählt bei der Bewertung neben der Spitzenleistung auch, wie viele Megawattstunden der Abnehmer während der 8.760 Jahresstunden tatsächlich nutzen kann.

Entfernung verändert die Kosten schnell

Mit zunehmender Leitungslänge steigen die Kosten für vorgedämmte Rohre, Aushub, Straßenquerungen und Pumpen sowie die Wärmeverluste. Eine kurze Leitung zu einem großen Abnehmer ist meist einfacher als ein langes Netz mit vielen kleinen Verbrauchern. Grundstücksrechte, Leitungskorridore und die Möglichkeit einer schrittweisen Erweiterung sind gesondert zu prüfen.

Ein Wärmespeicher schafft Flexibilität

BHKW und Wärmeabnehmer haben selten exakt denselben Betriebsrhythmus. Ein Wärmespeicher kann Überschüsse bei geringer Nachfrage aufnehmen und bei steigender Nachfrage abgeben. So muss der Motor seltener dem momentanen Heizbedarf folgen; zugleich wird das System gegenüber kurzfristigen Schwankungen robuster.

Wer kommt als Wärmeabnehmer infrage?

  • ein Ort oder mehrere Wohngebäude
  • Schule, Sporthalle, Schwimmbad oder Pflegeheim
  • landwirtschaftlicher Betrieb, Geflügelstall oder Gewächshaus
  • Werkstatt, Logistikzentrum oder Gewerbegebiet
  • Industriebetrieb mit kontinuierlichem Warmwasserbedarf

Technische Beispiele aus der Praxis

INNIO Jenbacher veröffentlicht Beispiele von BHKW, die Wärme an lokale Netze liefern. In Memmingen wurde beispielsweise ein biogasbetriebenes BHKW mit Wärmespeicherung und örtlicher Wärmeversorgung verbunden. Für das Wärmenetz selbst kommen übliche Lösungen mit vorgedämmten Rohren, Pumpstationen, Wärmetauschern, Messung und Regelung zum Einsatz.

Was muss vor dem Bau vertraglich geregelt werden?

Das Projekt ist nicht nur technisch. Wärmepreis, Mindestabnahme oder erwartete Abnahme, Messung, Verantwortung für Reservewärme, BHKW-Stillstände und künftige Änderungen des Verbrauchs müssen geregelt werden. Ohne eindeutigen Abnehmer und langfristiges Abrechnungsmodell kann auch eine gut geplante Leitung zu teurer Infrastruktur ohne ausreichende Erlöse werden.

KernaussageDie beste Wärmeleitung ist nicht unbedingt die kürzeste, sondern jene, die die Anlage mit einem Abnehmer verbindet, der lange und verlässlich Wärme benötigt.

Quellen und weiterführende Literatur

Dieser Beitrag dient der Information. Die konkrete Ausführung erfordert eine Wärmebilanz, Herstellerdaten und die Prüfung örtlicher Bedingungen, Genehmigungen und geltender Vorschriften. Die Illustration zeigt ein Funktionskonzept, keinen Ausführungsplan.