← Zurück zur BHKW-Abwärme
BHKW-ABWÄRME · FACHBEITRAG

Gärresttrocknung – von der abgetrennten Feststofffraktion zum trockenen Produkt

Nach der Vergärung lässt sich Gärrest mechanisch in eine flüssige und eine feste Fraktion trennen. Die flüssige Fraktion gelangt in einen Speicher und kann landwirtschaftlich genutzt werden. Die feste Fraktion kann mit Abwärme aus der KWK-Anlage getrocknet und so auf eine einfachere Lagerung, einen leichteren Transport oder die weitere Herstellung von Düngemitteln vorbereitet werden.

Isometrische Illustration eines Fermenters, Separators und Trockners für feste Gärreste, verbunden mit einer KWK-Anlage
Ein möglicher Prozess: Gärrest → Separation → Trocknung der Feststofffraktion mit KWK-Abwärme.

Die feste Fraktion enthält auch nach der Separation noch viel Wasser. Sie benötigt deshalb Lagerplatz, verursacht ein relativ hohes Transportgewicht und lässt sich schwerer zu einem standardisierten Produkt weiterverarbeiten. Steht am Standort ungenutzte KWK-Wärme zur Verfügung, kann die Trocknung der nächste Behandlungsschritt sein.

Grundlegender Verfahrensablauf

Der Gärrest wird nach der Vergärung einem Separator zugeführt. Die flüssige Fraktion gelangt in ein Endlager oder eine Lagune und wird später nach einem Düngeplan verwendet. Die feste Fraktion durchläuft Annahmebehälter, Dosiersystem und Trockner und kommt anschließend in ein Lager für trockenes Material. Die Wärme wird meist über Warmwasser und einen Luft-Wasser-Wärmetauscher zugeführt.

Was bringt die Trocknung?

  • geringeres Gewicht und Volumen für Lagerung und Transport
  • Material, das sich leichter dosieren, absacken oder lose lagern lässt
  • Möglichkeit zur weiteren Pelletierung oder Granulierung
  • ein weiterer Abnehmer für Wärme, die sonst abgeführt würde

Trocknung allein macht aus dem Gärrest noch kein hochwertiges Produkt. Sein Wert hängt von Zusammensetzung, Nährstoffgehalt, Hygieneanforderungen, Schadstoffen und dem vorgesehenen Absatzmarkt ab.

Oft unterschätzt: die Abluftbehandlung

Beim Erwärmen von Gärresten können Gerüche, Ammoniak, Staub und Feuchtigkeit freigesetzt werden. Deshalb müssen Lüftung und Abluftbehandlung von Anfang an eingeplant werden. Je nach Material und Genehmigung kommen Biofilter, chemische Abluftwäscher, Kondensation oder kombinierte Systeme infrage.

Beispiele für Technik am Markt

  • RHS RHINO – ein in Deutschland entwickelter Mischtrockner auch für die Landwirtschaft. Laut RHS kann er sowohl separierten Gärrest als auch die flüssige Fraktion verarbeiten und je nach Anforderung auf einen hohen Trockensubstanzgehalt trocknen.
  • Dorset Green Machines – Bandtrockner und Rückmischsysteme für Gärrest mit ergänzender Technik zur Abluftreinigung.
  • ANDRITZ – bietet mehrere Verfahren für Gärrest, darunter Separation sowie Band-, Paddel- und Trommeltrockner, die mit Niedertemperatur-Abwärme betrieben werden können.
  • STELA Laxhuber – Bandtrockner und langjährige Referenzen für den Einsatz von Biogasanlagenwärme zur Trocknung von vergorenem und anderem feuchtem Material.

Was folgt auf die Trocknung?

Am einfachsten ist die Verwendung des getrockneten Materials als Schüttgut, sofern sie zulässig und wirtschaftlich sinnvoll ist. Ein weiterer Schritt kann die Pelletierung und Granulierung von Gärresten, das Mischen mit anderen Komponenten oder die Herstellung eines besonderen organischen oder organisch-mineralischen Produkts sein. Dafür ist ein eigenes Projekt mit Laboranalysen, agronomischem Konzept und Prüfung der rechtlichen Anforderungen erforderlich.

KernaussageEin Trockner verringert Wassergehalt und Transportaufwand. Den Marktwert bestimmt jedoch, was nach der Trocknung mit dem Material geschieht. Deshalb sollte das Endprodukt feststehen, bevor Separator und Trockner ausgewählt werden.

Quellen und weiterführende Literatur

Dieser Beitrag dient der Information. Die konkrete Ausführung erfordert eine Wärmebilanz, Herstellerdaten und die Prüfung örtlicher Bedingungen, Genehmigungen und geltender Vorschriften. Die Illustration zeigt ein Funktionskonzept, keinen Ausführungsplan.